Pressetext Royal Canin 2
Sinn und Zweck von Hundeausstellungen
Worum geht es
denn eigentlich bei Ausstellungen. Der ursprüngliche und immer noch
aktuelle Sinn ist die Beurteilung und der Vergleich von Hunden einer
Rasse in Bezug auf ihr äußeres Erscheinungsbild. Das Rasseoptimum
dieses Erscheinungsbildes ist im Rassestandard festgelegt, der somit
mehr oder weniger genau beschreibt, wie ein Hund einer bestimmten Rasse
auszusehen hat. Es gibt nun Rassen bei denen dieser Standard
ausschließlich oder in hohem Maße optisch (z.B. Mops etc) orientiert
ist, bei den meisten Rassen aber hat der Rassestandard durchaus und in
hohem Maße funktionale und gesundheitliche Implikationen. Das bedeutet
nichts anderes als dass die ursprüngliche Rassebeschreibung einen
gesunden und leistungsfähigen Hund (und zwar leistungsfähig z.B. in
Hinblick auf die recht spezialisierten Leistungen eines vielseitigen
Jagd- und Gebrauchshundes) als Zuchtziel im Blickfeld hatte und die
körperlichen Eigenschaften der Rasse so definierte, dass dieses
Zuchtziel erreicht wurde.
Dieses primäre allgemeine Zuchtziel ist im Standard so definiert:
Z.B Steht im Rassestandard Irish Terrier unter Verwendung: Vielseitig verwendbarer Hofhund, Familienhund, Wachhund, der Gefahren oder Verletzungen mit äusserster Verachtung begegnet; geeignet für die Jagd und die Arbeit nach dem Schuss.
Somit stellt sich die Frage, was körperliche Merkmale mit Gesundheit und Leistungsfähigkeit zu tun haben. Was sind nun die grundsätzlichen Anforderungen an die körperliche Leistungsfähigkeit von Hunden. Hunde sind Lauftiere, die sich über einen Zeitraum von 12 bis 14 Jahren auf ihren vier Extremitäten ausdauernd im Schritt, Trab und im Galopp sowie im Sprung in unterschiedlichen Geschwindigkeiten vorwärtsbewegen können sollen. Die individuellen Anforderungen an Ausdauer, Schnelligkeit, Sprungvermögen etc. variieren natürlich, aber grundsätzlich sollte ein Hund so gebaut sein , dass er durchschnittlichen Anforderungen genügen kann.
Die zweite Forderung ist, dass die Bewegung über einen möglichst großen Teil des Hundelebens schmerz – und beschwerdefrei erfolgen kann. Das ist nur dann möglich, wenn es nicht im Laufe des Hundelebens durch Über- oder Fehlbelastungen zu vorzeitiger Abnützung der Gelenke kommt. Und da gilt eine ganz allgemeine Regel (die übrigens auch beim Menschen zum Tragen kommt): Jede Abweichung von der normalen Stellung und Winkelung der Extremitäten führt zu punktuellen Mehrbelastungen des Gelenksknorpels und/ oder von Sehnen und Bändern und damit zu Schäden und in der Folge zu degenerativen Gelenkserkrankungen.
Betrachtet man die Sache nun auch noch aus populationsgenetischer Sicht so kommt der Formwertbeurteilung ebenfalls eine recht große Bedeutung zu. Für jedes Merkmal gilt dass es sowohl von den Genen des Hundes als auch von der Umwelt beeinflusst wird. Je nach dem Anteil, den die Gene an der Ausprägung eines Merkmals haben spricht man von Merkmalen mit niedriger, mittlerer und hoher Heritabilität. Je höher der Anteil der Gene an der Ausprägung eines Merkmals ist umso höher ist seine Heritabilität und umso leichter lässt sich sich dieses Merkmal züchterisch bearbeiten. Merkmale des Körperbaues haben im Allgemeinen eine hohe Heritabilität sodass sich diese Merkmale auch gut züchterisch verbessern lassen.
Das Hauptproblem der Formwertmerkmale aus populationsgenetischer Sicht ist, dass es sich um keine wirklich objektiv erfassbaren Merkmale handelt, sie lassen sich also nicht zählen oder messen sondern sie werden von Richtern subjektiv beurteilt Subjektive Beurteilung heisst nun keinesfalls, dass diese Beurteilung willkürlich oder falsch ist, es heißt nur, dass jeder Richter einen gewissen Interpretationsspielraum hat, der von seiner Ausbildung, seiner Erfahrung und natürlich im Einzelfall auch mal von seinen persönlichen Präferenzen abhängt.
Natürlich hat nun nicht jedes Merkmal, das bei der Formwertbeurteilung gewertet wird die gleiche funktionale Bedeutung. Einige Merkmale sind dem Rassetypus zuzuordnen und werden einfach aus optischen Gründen bewertet. (z.B Ohren, Wangen ). Allerdings können sehr wohl modetrendmäßige (Fehl)interpretationen des Rassestandards sekundär gesundheitliche und/oder funktionelle Konsequenzen haben. z.B. mit einer Überinterpretation des Rassestandards bei den brachycephalen (kurzköpfigen) Rassen. Und dazu kommt, dass auch Eigenschaften, die auf den ersten Blick keinen Bezug zu Gesundheit und Funktion haben auf den zweiten Blick sehr wohl nicht ausschließlich optische Bedeutung haben. So ist z.B. die Pigmentierung und damit die Haut- und Fellfarbe nicht nur von optischer Bedeutung sie hat auch Bedeutung für die Qualität des Fells bzw. für die Empfindlichkeit der Haut.
Wenn ich nun zusammenfassend die einleitende Frage beantworte dann sind Ausstellungen durchaus sehr sinnvoll und bei weitem nicht nur Schönheitskonkurrenzen. Unter der Voraussetzung dass im Rahmen der Formwertbeurteilung die Zusammenhänge zwischen Körperform und Funktion sowie diejenigen zwischen Körperform und Gesundheit berücksichtigt und entsprechend gewertet werden. Auch die mehrfache Präsentation eines Hundes auf verschiedenen Ausstellungen macht Sinn, insbesondere wenn die Hunde dabei von unterschiedlichen Richtern bewertet werden. Aber nicht nur die Gewinner von Ausstellungen sind die guten Zuchthunde. Und auch nicht nur die Gewinner von Ausstellungen zeichnen ihre Eltern als gute Vererber aus. Sondern im Grunde jeder Hund der dem Rassestandard und damit den körperlichen Vorgaben für das im Grunde angestrebte Zuchtziel eines gesunden und leistungsfähigen Hundes entspricht.